Zeitgleich mit den inzwischen überall beworbenen “Office 2013” Produkten ist am Ende letzten Jahres auch eine neue Exchange Server Version erschienen.

Wir möchten Ihnen nun im Rahmen dieses Beitrages einen kurzen Einblick in die wichtigsten Neuerungen geben.

 

Bei “Exchange Server 2013” hat sich im Vergleich zu “Exchange Server 2010” sehr viel verändert.

Grundsätzlich ist nun fast jede Funktion web-basiert zu erreichen. Mit der letzten Version wurden viele Verbesserungen für die Usability für die “Outlook Web App” eingeführt, so dass man diese schon als guten Ersatz zu einem richtigen Outlook Client ansehen konnte. Diesen Ansatz hat Microsoft mit Exchange Server 2013 nun weitergeführt und ebenfalls der administrativen Oberfläche ein volles Web-Interface spendiert.

Sobald man eine initiale Serverkonfiguration mit Windows Server 2012 abgeschlossen hat und danach die Exchange Server 2013 Installation beendet wurde, wird man mit der “Exchange-Verwaltungskonsole (ECP)” begruesst.

Die “Exchange-Verwaltungskonsole” dürfte den Exchange Server 2010 Benutzern unter uns als ein bekannter Anlaufpunkt für alle möglichen Einstellungen zu einem Emailpostfach oder auch den Administratoren von unseren dogado Hosted Exchange 2010 Kunden als Mandantenkonfiguration bekannt vorkommen.

Microsoft hat diesen Ansatz bei Exchange Server 2013 um einiges weiterverfolgt und bietet nun die gesamte Exchange Server Konfiguration über die “Exchange-Verwaltungskonsole” an.

 

Die Exchange-Verwaltungskonsole

 

ecp_management_console

 

Innerhalb der “Exchange-Verwaltungskonsole“ ist eine komplette Verwaltung von Postfächer abgebildet worden. Zusätzlich zur Exchange Server 2010 Mandantenkonfiguration ist es hier auch möglich “freigegebene Postfächer” zu erstellen. Diese sind nur über andere freigeschaltete Postfächer zu benutzen, erlauben jedoch eine korrekte Lizensierung von z.B. “Info” oder “Support” Postfächern.

Der Menu-Punkt “Migration” verspricht zwar vieles Gutes, entpuppt sich leider jedoch als Oberfläche für ein Verschieben von Postfächern zwischen Datenbanken oder einem Import aus AD-Verbünden.

Nach einem Doppelklick auf ein Postfach erhält man ein neues Fenster, welches alle Einstellungen bietet:

 

ecp_permissions

 

Das interessanteste neue Feature ist hier ohne jeden Zweifel die “Postfachstellvertretung”. Hier lassen sich endlich zentral pro Postfach die drei Exchange Berechtigungen “Senden als”, “Senden im Auftrag von” und der “Postfach-Vollzugriff” komfortabel verwalten.

Ebenfalls wurden bei “Exchange Server 2013” die Compliance Features erweitert. Als wichtige Neuerung sind hier die “Data Loss Prevention-Richtlinien (DLP)” hinzugekommen. Hierüber lässt es sich beispielsweise realisieren, dass Emails grundsätzlich nicht gelöscht werden können und bei einem Löschversuch zwar aus den gelöschten Objekten verschwinden aber in einem Vorhaltebereich weiterhin zur Verfügung stehen.

Durch diese Funktion ist es auch möglich einen “Exchange Server 2013” in einer “backup less”-Konfiguration, sprich ohne Backup, zu betreiben. Diese Konfiguration kann auch im Rahmen einer Microsoft Best Practise umgesetzt werden, erfordert jedoch einige erweiterte, abhängige Konfigurationen.

 

ecp_compliancerules

 

Als eine der offensichtlichen Neuerungen gibt es bei “Exchange Server 2013” die “Apps”. Hierunter sind kleine Zusatzanwendungen zu verstehen, welche sich in die “Outlook Web App (OWA)” oder auch in einen angebundenen “Outlook 2013” einbinden. Prominentes Beispiel ist hier die “LinkedIn” App, welche direkt im OWA alle Daten zum Absender anzeigt.

 

ecp_exchange owa apps

 

Wer zuvor bei den letzten Exchange Server Versionen die AntiSpam Konfiguration aktiviert hatte und danach davon ausgegangen ist, dass er ab dann keinen Spam mehr bekommen würde, hat schnell gemerkt, dass dies bei weitem nicht der Fall ist. Als Erweiterung der Exchange internen Funktionen wurde bisher das Produkt “Forefront Protection for Exchange” von Microsoft angeboten. Dieses nutzen wir zum Beispiel bei unserem “dogado Hosted Exchange 2010”.

Die Forefront Protection Produktfamilie gibt es nun seit Release von “Exchange Server 2013” nicht mehr. Der Hintergrund ist eigentlich ganz einfach und ein sehr guter Schritt – Das komplette “Forefront Protection for Exchange” wurde kurzerhand in Exchange integriert.

 

ecp_antispam

 

Natürlich ist eine “Exchange-Verwaltungskonsole” ohne eine Domänen-Verwaltung nicht brauchbar. Diese ist nun ebenfalls komplett nutzbar und bietet eine bekannte Funktionalität für “authoritative”, “internal relay” und “external relay” Domänen.

 

ecp_accepteddomains

 

Die vielleicht wichtigste Neuerung sind die komplett überarbeiten öffentlichen Ordner. Diese liegen nicht mehr wie bei Vorgängerversionen in einer Datenbank, sondern basieren auf einem normalen Postfach.

Grosser Vorteil dieses Ansatzes ist nicht nur eine einfache Export und Migrationsmöglichkeit der öffentlichen Ordner, sondern auch, dass keine separate Replikation mehr via SMTP vorgenommen werden muss, sondern alle Features einer “Datenbank-Verfügbarkeitsgruppe (DAG)” genutzt werden können.

 

ecp_publicfolders

Die neue Outlook Web App

 

Auch bei der Outlook Web App hat sich einiges verändert. Diese ist vom Design nun an die Office 2013 Familie angeglichen worden und bietet einige interessante neue Features.

Ein wichtiges neues Feature ist hier der “Offline-Modus”. Nach Aktivierung kann auch mal die Konnektivität auf dem Notebook unterwegs wegbrechen, weiterarbeiten können Sie dennoch.

owa_offlinemode

 

Weiter oben im Beitrag haben wir die “Exchange-Apps” erwähnt. Diese sind für jeden Benutzer einzeln bei sich im OWA aktivier oder deaktivier bar und gliedern sich nahtlos in die Oberfläche mit ein:

 

owa_withapps

 

Wie man bei dem letzten Screenshot sehen kann, gibt es nun auch endlich eine vernünftige Anbindung von Benutzer-Bildern an den Exchange Server. Wo man früher mit komplexen Skripten direkt in der Active Directory die Bilder hinterlegen musste, kann dies nun direkt über die OWA konfiguriert werden. Natürlich sind diese Bilder überall sichtbar – in der OWA bei Emails, Kalender und Kontakten, in der globalen Adressliste und in lokalen Outlook Clients.

 

owa_contact_images

Architektur von dedizierten Exchange Server 2013 Plattformen

 

 

Im Hintergrund von den Web-Oberflächen hat sich auch einiges getan. Es gibt inzwischen nur noch zwei Exchange Server Rollen – “Client Access” und “Mailbox-Server”.

Der “Client Access Server” deckt nun jede direkt Kommunikation mit Clients wie Outlook oder mobilen Geräten ab und bietet auch die OWA und das ECP an. Zusätzlich dient der “Client Access Server” als transparenter Proxy für Client-Verbindungen auf die “Mailbox Server”.

Der “Mailbox Server” bietet weiterhin die Exchange Datenbanken an, dient aber nun auch als Endpunkt für Clientverbindungen, welche vom transparenten Proxy der “Client Access Server” durchgereicht werden. Interessant ist hier auch, dass der “Information Store”-Prozess stark überarbeitet wurde und sich nun mit langsameren HDDs (SATA) zufrieden gibt.

Die ehemalige “Hub Transport” Rolle ist nun fester Bestandteil vom “Client Access” und “Mailbox Server” und entfällt als separate Rolle.

Um redundante Plattformen abbilden zu können hat sich besonders etwas bei den “Client Access Servern” verändert. Wo es bisher ausgereicht hat das “Windows Network Load Balancing (NLB)” zu verwenden, ist dies nun aufgrund des transparenten Proxys nicht mehr möglich. Hier muss zwingend ein “Layer-4 Load Balancer” vor die “Client Access Server” geschaltet werden.

 

dogado Dedicated Exchange 2013

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Peter Stutzinger
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Enterprise Architect - Messaging bei dogado GmbH
Komplexe Mailserver Architekturen, Automation und Dienstüberwachung etc.
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